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Sihlhalde Gattikon: Gott-Lett Nr. 1
24.08.2012
gartenrestaurant
gault-millau
michelinstern
essen

Das Restaurant: Wer erleben will, wie ländlich Zürich im Grunde ist, könnte hierher fahren. Gattikon, ein kleiner Ort, der politisch zur Gemeinde Thalwil gehört und über den der Dorfverein sagt, er sein das "Dorf im Dorf". Gattikon erreicht man von Zürich aus in ein paar Minuten mit dem Auto, und wenn man über eine enge Strasse zum Restaurant "Sihlhalde" fährt, grüssen Kühe am Wegrand. Das Lokal ist in einem wunderschönen alten Riegelhaus untergebracht, im Sommer wird die Gaststube mit der niedrigen Decke erweitert um eine gepflegte Terrasse unter grossen Kastanienbäumen. Seit fast vierzig Jahren, so steht es auf der Website, wird das Restaurant von der Familie Smolinsky geführt, mittlerweile ist Gregor Smolinsky, genannt Smoly, der Chef de Cuisine.

Das Essen: Mit unterschiedlichen Worten üben die beiden grossen Restaurantführer leise Kritik an der Ausrichtung der "Sihlhalde". Der "Michelin" gibt einen Stern und sagt "eher bodenständig als kreativ, und das mit Geschmack!". Der "Gault Millau" (16 Punkte) fragte 2011 rhetorisch: "Ist die Speisekarte eigentlich in Stein gemeisselt?". Aber wer 40 Jahre lang einen Familienbetrieb erfolgreich führt, hat etwas richtig gemacht. Dass der Gast hier weiss, was er bekommt, und genau deshalb herkommt, ist Teil des Konzepts. Aber natürlich gibt es auch ein wechselndes Menü, zurzeit besteht es aus Markbein mit Vodkasauce oder Brasatoravioli (s. unten), dann gibt es eine Fischvariation mit Selleriepüree und Safransauce, ein Kalbssteak mit Eierschwämmen, Gemüse und Spätzli, Käse und zum Schluss ein Quarksouflée mit Früchtekompott und Lavendeleis.

Ich war zum Mittagessen da, und ass zwei Klassiker. Als Vorspeise die Brasato-Ravioli aus einem hauchdünnen Pastateig, einer feinwürzigen Füllung, Périgord-Trüffelscheiben und einem Trüffeljus, an dem man nichts verändern muss, weil er perfekt ist: kräftig, ohne zu schwer zu werden, sind das Streicheleinheiten für den Gaument.

Es folgte ein perfekt gebratenes Kalbskotelett unter einer feinen, knusprigen Brotkruste. Das Fleisch war edel und zart, die Kruste schön gewürzt und bildete zusammen mit frittiertem Salbei das élément craquant, das Meisterkoch Paul Bocuse einst für jedes Gericht forderte. Bisher ist mir kein besseres Kalbskotelett begegnet. Selbst Jacky Donatz im "Sonnenberg", der seine Version dieses Fleischhöhepunkts sogar nach sich selbst getauft hat, kann da nicht mithalten. Natürlich gibt es einen schönen Kalbsjus zu dem Kotelett sowie eine Bramata-Polenta und etwas Gemüse, was aber alles nur Beilage war und blieb. Der Star ist das Kotelett, es ist himmlisch, ein Gott-Lett, wie der Schweizer sagt. Und nachdem ich es gegessen hatte, war ich sicher, dass ich zu denen gehören werden, die immer mal wieder hierherkommen, um genau das zu essen.

Der Abschluss des kleinen Lunchs bildete ein recht grosser Teller mit gleich fünf ausgezeichneten Fruchtsorbets aus Himbeeren, Erdbeeren, schwarzen Johannisbeeren, Passionsfrucht und Birne sowie einigen Früchten. Sorbets liessen sich leicht etwas anreichern, durch die Zugabe von Likören, Kräutern etc. Smolinsky verzichtet darauf, er bleibt bei der klassischen Formel Fruchpüree + Zucker = Sorbet. Daran ist nichts falsch, aber besonders spannungsreich ist es auch nicht.

Fazit: In der "Sihlhalde" weiss man, was man hat. Die Klassiker des Hauses sind perfektioniert worden, sie sind in sich stimmig, und man kann daran höchstens aussetzen, dass der eigene Geschmack nicht getroffen wurde.

Ambiente: Innen wie aussen ist es gemütlich, die Atmosphäre ist durch die vielen Stammgäste, welche das Servierpersonal beim Vornamen rufen darf, erfreulich gelöst. Die ländliche Stimmung hilft dem Städter ausserdem, seinen Alltag für ein paar Augenblicke zu vergessen. Die Kochkunst von Smoly jun. ist auf hohem Niveau, und dass er sich selbst nicht mit überschiessender Kreativität in den Vordergrund spielen will, ist ein angenehmer Zug.

Preise: Hier wird ziemlich fair gerechnet, für die Brasato-Ravioli mit Trüffel bezahlt man Fr. 36.-, für das Kalbskotelett Fr. 54.-; beides ist angesichts von Qualität und Aufwand nicht zu viel verlangt. Beim eingangs erwähnten Jacky Donatz kostet ein mittleres Kalbskotelett sportliche Fr. 79.-. In der Sihlhalde ist auch das 5-Gänge-Menü mit Fr. 126.- gästefreundlich kalkuliert.

Restaurant:Sihlhalde
Koch:Gregor Smolinsky
Adresse:Sihlhaldestrasse 70, 8136 Gattikon
Öffnungszeiten:Sonntags und montags geschlossen
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