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Mesa, Zürich: Neue Zeitrechnung
15.10.2012
essen
gourmetkuche
italienische-kuche
antonio-colaianni
clouds

Das Restaurant: Das "Mesa" war bislang zusammen mit "The Restaurant" das beste Gourmetlokal in der Stadt Zürich. Dann ging Mesa-Koch Marcus G. Linder nach Gstaad und Antonio Colaianni, stieg aus dem Wolkenkukusheim im "Clouds" herunter in den noblem Kreis 6. Damit hat sich auch der Kochstil im "Mesa" gründlich geändert, dazu später mehr. Geblieben ist das einladende Haus mit der schönen, warm beleuchteten Gaststube, wo man - je nach Tisch - allerdings etwas gar eng beisammensitzt. Auch das kompetente, mehrheitlich deutsch-österreichische Serviceteam, das kompetent und freundlich auftritt. Die Karte ist klein (ein vegetarisches Menü, eins mit Fisch und Fleisch, wobei man natürlich frei die jeweils bis zu sieben Gänge tauschen kann).

Das Essen: Um zu erfahren, was neu ist im "Mesa" hatte ich mich zu meinem ersten Blogger-Blinddate mit dem geschätzten Kollegen The Real Picky Gourmet verabredet, dessen Blog ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen möchte. Unsere Einschätzung der bisherigen Arbeit Antonio Colaiannis war nicht ganz deckungsgleich. Im "Clouds" hatte es mir überhaupt nicht gefallen, die tolle Lage konnte nicht über die zu gewöhnlichen Kreationen aus der Küche hinweghelfen. Meinem Tischnachbarn hingegen hat es im höchsten Restaurant der Stadt gefallen. Einig waren wir uns darüber, das Colaianni vor dem "Clouds" im "Casale" in Wetzikon hervorragende Arbeit geliefert hat.

Nun also das "Mesa". Hier sind die Erwartungen hoch, Marcus G. Linder hat mit seinen aufwendigen Kreationen und Kombinationen zu recht für Furore gesorgt. Das gelingt Colaianni drei Wochen nach seinem (nicht ganz einfachen) Start noch nicht. Auf sehr Gutes folgt Durchschnittliches, manche Gänge lassen einen etwas ratlos zurück. Aber der Reihe nach.

Zum Apéro gab es die besten Grissini, die ich bisher gegessen habe, ein sizilianisches Ballon-Brot sowie Oliven, Salami, Tomatensauce - wie beim Italiener halt. Dann kam das Amuse Bouche, eine ambitionierte Kreation aus geräucherter Entenbrust, Gelee von einer Zitrusfrucht, deren Name ich noch nie gehört hatte und - leider - Milchreis. Der leicht süssliche Reis neutralisierte nämlich das feine Spiel von Säure, Rauch- und Bitternoten und deckte alles andere zu.

Wunderschön präsentiert war dann die erste Vorspeise, eine Zubereitung aus weissem Albacore-Thunfisch, unter einem feinen Flan und einem dünnen Gelee und dekoriert mit allerlei Kräutern, Blüten und etwas Kaviar. Dazu gab es eine perfekt frittierte Jakobsmuschel im Knuspermantel - hervorragend.

Auch die zweite Vorspeise, ein schön karamelisiertes Stück Bauch von Ormalinger Schwein, ergänzt mit feinstem Räucheraal und Granny-Smith-Apfel (Pürree, Gelee) war ausgezeichnet. Im Nachhinein habe ich sie zu meinem Lieblingsgang erklärt. Texturen, Aromen und Präsentation kamen hier perfekt zusammen.

Dann Steinbutt, etwas zu gut gebraten/gegart und an einer feinen Tomatenessenz serviert, die mit reichlich Butter aufmontiert war. Dazu etwas Tomatenschaum, -Flocken, -Schnitze sowie Artischocken, wobei die Beilagen nicht so recht zum Tragen kamen.

Die Lasagnetta, angekündigt mit jungen Zwiebeln (Cipolotti) und Steinpilzen lebte vor allem vom dominanten Ricotta zwischen den Teigblättern, der ähnlich wie der Milchreis alles andere geschmacklich plattwalzte. Weder die Steinpilze noch das Gemüse konnte sich hier entfalten, als Ganzes wirkte der Gang zu mächtig ohne ohne viel Finesse.

Das galt leider auch für den Hauptgang, Taubenbrüstchen unter einer dicken Kräuterhaube, dazu Schwarzwurzeln und eine zu klebrige weisse Polenta. Der Taubenjus war mir zu wenig kräftig, auch die Kräuter konnten keinen rechten Akzent setzen. Auch aus der geschmorte Keule hätte man mehr herausholen können, schien mir. Insgesamt war der Gang nicht schlecht, aber auch nicht so überraschend, dass man sich noch lange daran erinnern würde.

So oder so ähnlich gilt das auch für den Abschluss: Vordessert (Limmetenschaum und -Granité mit Rohrzucker) und Dessert (exotische Frühchte, Mangosorbet, Passionsfrucht-Crème-Brulée waren gut, aber nicht grossartig, die Friandises zum Kaffee sahen - mit Ausnahme der wunderbaren, gebrannten Haselnüsse - etwas gar hausfrauenartig aus.

Fazit: Man kann von Antonio Colaianni mehr erwarten, und man sollte ihm Zeit geben. Er hat erst vor drei Wochen angefangen mit einem Team, das er nicht kannte. Das Menü spiegelt das wider, es hat noch keine durchgehende Handschrift und schwankt zwischen sehr gut bis ordentlich. Aber Colaianni ist ein hervorragender Koch, ich bin überzeugt, in ein paar Monaten wird man das besser sehen können.

Atmosphäre: Das "Mesa" ist ein angenehmes Lokal, passend zum Kreis 6, elegant, ohne übertriebenen Luxus-Chichi. Das Publikum ist angenehm gemischt und das Personal wie gesagt sehr angenehm.

Preise: Obere Liga, das Fleischmenü mit sieben Gängen kommt auf Fr. 198.- zu stehen, aber vor allem die Weinkarte hat eine sportliche Preisgestaltung: dreistellige Beträge für eine Flasche sind die Regel. Auch offene Weine und Mineralwasser sind teuer.

Restaurant:Mesa
Koch:Antonio Colaianni
Adresse:Weinbergstrasse 75, 8006 Zürich
Öffnungszeiten:Sonntags und montags geschlossen
Kommentare:
kuechenreise.com
Das war ja schnell besucht und noch schneller gesschrieben (Mr. Real Picky Gourmet ist doch sonst bestrebt, immer der erste zu sein ... ;-) ). Schade um das "alte" Mesa, doch auch im neuen Format klingt das ganze spannend, wenn auch noch nicht zu voller Form aufgelaufen... Danke für den guten Bericht!
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