dasFilet
dasFilet
dasFilet
trenner
trenner
Suche
trenner
trenner
Karte
trenner
trenner
Archiv
trenner
trenner
Links
trenner
trenner
Sponsoren
trenner
trenner
About
trenner
trenner
trenner
trenner
trenner
trenner
Hiltl, Zürich: Nein, diese Tomate ess' ich nicht
21.01.2013
hiltl
vegetarisch
zurcher-institutionen
essen
restaurant
rolf-hiltl

Das Restaurant: Zürchern muss man das "Hiltl" kaum vorstellen, es ist vermutlich eines der bekanntesten Restaurants der Stadt, eine Legende, eine Institution - seit über 100 Jahren wird hier vegetarisch gekocht, und wer so lange überlebt, hat es grundsätzlich richtig gemacht. Rolf Hiltl, gelernter Koch und Chef des Unternehmens, hat sein Imperium beharrlich ausgebaut, das Hauptrestaurant ist mittlerweile nicht nur ein Restaurant, sondern mittags Zürichs grösste Vegi-Kantine, es ist eine Bar und am Wochenende auch ein Club, es gibt Kinderprogramme, ein Kochatelier und und und. Nicht zu vergessen die Tibits-Kette, eine Art McDonalds für Gemüse-Liebhaber, bekannt in Zürich, Bern, Basel, Winterthur und London. Die unternehmerische Leistung ist bewundernswert, das Hiltl ist ein vegetarisches Grossprojekt und am Ende noch nur einfach ein Restaurant, bei dem zählt, was am Ende auf dem Teller liegt.

Das Essen: An einem Samstagmittag verschlug es mich zufällig ins "Hiltl", und wenn man das ausgezeichnete Buffett für einmal meiden möchte, hat man eine grosse bis unübersichtliche Karte vor sich, auf der allein das vegetarische Tatar an diesem Tag dreimal aufgeführt wurde. Ich entscheide mich für einen anderen Klassiker und bestelle die "Ländliche Platte", die in meiner Kindheit als "Gschwellti" regelmässig auf den Tisch kam.

Geschwellte Kartoffeln, eine Schale voll Quark, dazu Salat und Käse - das ist keine Zusammenstellung, mit der eine Küche brillieren kann. Umso mehr kommt es auf die Feinheiten an. Der Reihe nach: der Salat ist ziemlich kalt, die Sauce äusserst diskret - geschmacklich und mengenmässig. Die Käsestücke - Brie, Greyerzer und Heidiland - sind gut, die Kartoffeln sind genau richtig gedämpft und der Quark ist einfach Quark. Kein Schnittlauch dazu, keine Würzung, nichts. Das ist zwar alles nur Durchschnitt, aber unterdurchschnittlich sind die Tomaten, die neben dem Salat liegen. Ich meine, in einem vegetarischen Restaurant müsste so eine Tomatenscheibe das Wichtigste sein, so wichtig wie in einem Steakhouse das Rinds-Entrecôte. Aber die Tomate schmeckt nach nichts, ist wässrig und fad. Man mag das gut finden oder nicht: es gibt mittlerweile auch im Winter gute Tomaten. Wenn man der Meinung ist, aus ökologischen Gründen serviere man im Winter KEINE Tomaten, geht das in Ordnung. Aber solche Tomaten wie auf dieser "Ländlichen Platte" gehen gar nicht, und vor allem nicht in einem Restaurant, in dem das Gemüse die Hauptrolle spielt.

A propos Gemüse: Weiter wurde am Tisch der Gemüseteller mit acht Sorten, Kräutern und Olivenöl bestellt. Dieser Teller sah ziemlich lieblos aus, was an der schieren Menge liegt, die da draufgepackt wurde. Vielleicht wären vier Sorten Gemüse, diese dafür aber hervorragend zubereitet, besser gewesen. Geschmacklich fand der Tischgenosse den Gemüseteller ebenfalls eher durchschnittlich.

Als drittes wurde das erwähnte vegetarische Tatar bestellt, es sah schön aus und schmeckte ausgezeichnet, das Gericht hat offensichtlich den Status eines "Signature Dish" und wird entsprechend sorgfältig zubereitet.

Fazit: Grösse ist immer auch ein Risiko, das "Hiltl" hat eine sehr grosse Küche mit 30 Köchen, die pro Tag sehr viel Essen kochen. Dabei geht vielleicht der Blick für die Kleinigkeiten verloren. Natürlich kann mit geschwellten Kartoffeln keiner brillieren. Umso mehr kommt es dann halt auf die Details an, und die stimmen für meinen Geschmack nicht - zumindest nicht bei zwei von drei bestellten Gerichten.

Atmosphäre: Das "Hiltl" ist ein grosser Laden, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, und es ist einigermassen hektisch. Umso grösser ist daher die Leistung der Empfangsdamen und -Herren sowie des Servicepersonals einzustufen, die mit ihren Headsets und Eingabeterminals aussehen, als würden sie das Bordrestaurant der Entreprise betreiben. Aber sie sind immer freundlich, man fühlt sich auch als ein Gast unter Hunderten bevorzugt behandelt. Das "Hiltl" in ein lebhafter, städtischer Ort, wo alte Damen ebenso gerne hingehen wie junge Paare und Familien mit Kindern. Das ist ein gutes Zeichen.

Preise: Für die Lage in der Zürcher Innenstadt kosten die Gerichte sicher nicht zuviel. 23.50 für die "Ländliche Platte", Fr. 23.50 für den Gemüseteller 24.50 für das Gemüsetatar standen auf der Rechnung.

Restaurant:Hiltl
Adresse:Sihlstrasse 28, 8001 Zürich
Öffnungszeiten:Täglich ab 6 Uhr, donnerstags bis sonntags bis 04.00 Uhr
Kommentare:
Marc Kowalsky
"kosten die Gerichte sicher nicht zuviel" - da bin ich gar nicht mit Dir einverstanden. Ich ärgere mich jedesmal, wenn ich da hinmuss, was die in Rechnung stellen für Gerichte, deren Zutaten um einiges billiger sind als jene in einem Fleischrestaurant. Am unverschämtesten ist es am Buffet. Gruss von unten, Marc
Rolf Hiltl
Wie schon über Twitter geschrieben: danke für das realistische und professionelle Feedback. Die Kritikpunkte nehmen wir ernst und für das Positive bedanken wir uns ebenfalls. Beste Grüsse Haus Hiltl Rolf Hiltl & Team @Marc Kowalsky: Ihre Kommentare sind ziemlich pauschal: es geht nicht darum, dass unsere frischen Zutaten günstiger im Einkauf sind, jedoch aufwändiger in der Zubereitung als ein Steak in die Pfanne zu hauen. Weshalb "MÃœSSEN" Sie denn zu uns?
C.S.
Woher kommen den Tomaten im Winter die schmecken sollen?
Name:
Kommentar:
trenner
trenner