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Equitable St. Meinrad, Zürich: Ist Bio besser?
13.09.2013
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Das Restaurant: Wenn ein Restaurant mehr will, als einfach nur in einer bestimmten Kategorie möglichst gutes Essen anzubieten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Ich war skeptisch, als ich mich durch die Website des neuen "Equitable Sankt Meinrad" las. Dort, wo Tobias Buholzer zuvor mit einer innovativen Küche auf sich aufmerksam gemacht hatte, bevor er in die Zürcher Innenstadt weiterzog (siehe hier und hier), will man nun nicht zur zeitgemäss kochen, sondern auch noch einen "Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und Armutsreduktion im Süden" leisten. Klimafreundlich natürlich und der Genuss soll dank "nachhaltigen Produkten und einer innovativen Küche" grösstmöglich ausfallen. Dafür ist Fabian Fuchs verantwortlich, ein junger, talentierter Chef mit guten Lehrmeistern (Nenad Mlinarevic, Marcus G. Linder, Peter Schnaibel und David Martinez). An seiner Seite steht mit Martin Schmalstieg ein zweiter junger Mann, der zuletzt in Heiko Nieder im "The Restaurant" einen ebenfalls hochkarätigen Lehrer hatte.

Aber am Ende zählt nur: Ist Bio am Ende tatsächlich besser? Wie schmeckt eine klimafreundliche Küche? Ich hoffte, bei einem Mittagessen Antwort auf diese Fragen zu bekommen.

Das Essen: Die Mittagskarte ist kurz, aber ansprechend. Je drei Vor- und Hauptspeisen sowie ein Dessert stehen zur Auswahl. Ich beginne mit grossen Crevetten, von denen man erstaunlicherweise auf der Karte nicht erfährt, woher sie kommen. Kombiniert wird das kurzgebratene Meerestier mit Fair-Trade-Avocado, die mariniert und als Creme im Teller ist, dazu Stangensellerie, der sowohl als Textur wie auch als Gewürz funktioniert und ein Melonengranitée. Das ist ein tolles, aromatisches Gericht mit viel Spannung – kalt, warm, süss, salzig und mit feiner Säure. 

Gegenüber gibt es einen schlichten Tomaten-Mozzarelle-Brotsalat, der gut schmeckt, allerdings etwas an einem Übergewicht an rohen Zwiebeln leidet. Was für einen Businesslunch schon aus gesellschaftlichen Gründen nicht ideal ist, wirkt sich auch geschmacklich zu Ungunsten des Arrangements aus, da rohe Zwiebeln bekanntermassen dazu neigen, alles zu dominieren, was neben oder unter ihnen auf einem Teller liegt. 

Mein Hauptgang, Rippe und Hals vom Rind, mariniert unter anderem mit Honig und Sojasauce, vakuumiert und geduldig 72 Stunden im Wasserbad bei 48 Grad gegart, ist ebenfalls ausgezeichnet. Vor allem der Hals ist zwar naturgemäss etwas fetthaltig, das Fleisch hat dafür viel Geschmack, die Kombination mit süsslichem Mais und gerösteter Polenta sowie Dörrkirschen (Fair Trade) und Pilzen ist ein abwechslungsreicher Streifzug durch eher "dunkle" Aromen mit vielen Nuancen.

Vis-à-vis sieht es heller aus auf dem Teller: St. Pierre Filets von sehr guter Qualität werden mit Quinoa, Passionsfrucht (beides Fair Trade) sowie Kohlrabi und Radieschen kombiniert. Ein beinahe monochromes Gericht mit kleinen Säurespitzen durch die Frucht und erfrischender Note durch die rohen Radieschen und den Kohlrabi. 

Das Dessert schliesslich sieht etwas beliebig modern aus und ist in der Kombination nicht sehr überraschend: Schokolade mit Himbeeren und einem Sauerrahmeis. Die Schokoladeküchlein sind klein und warm, das Eis kühl und die Himeeren haben eine intensive Fruchtsäure. Das besondere Etwas macht ein Spekulatiusgebäck, das durch seine Gewürze die etwas belanglose Kombination auf eine höhere Ebene hievt.

Fazit: Man wird weit suchen müssen, um in Zürich zu diesem Preis einen besseren Lunch zu bekommen. Eine moderne Küche mit guten Zutaten und spannenden Kombinationen. Nur, dass das Essen etwas Besonders sein soll, weil es besonders bio und nachhaltig und klimafreundlich ist – davon merkt man nichts. Das Essen ist gut, weil es einfach gut gekocht ist. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen, vielleicht soll das ganze Bio-Brimborium gar nicht so auf eine Rolle spielen auf dem Teller. Dann aber fragt man sich, wozu der ganze Hype? Wozu all die Labels und Absichtserklärungen?

Auf jeden Fall aber wird es sich lohnen, auch mal ein längeres Abendessen hier zu geniessen.

Atmosphäre: Ein angenehmer Service unter der Leitung von Nicole Graf und eine schöne Mischung aus Bistro-Ambiente und Fine-Dining-Eleganz macht das Restaurant aus. Man fühlt sich wohl und möchte wiederkommen.

Preise: Die Vorspeisen zwischen Fr. 6.– (Saft) und 15.– (Crevetten) und die Hauptspeisen für 19.– (Vegetarisch) und 29.– (Fleisch und Fisch) sind für ein Mittagessen auf diesem Niveau sehr sehr anständig. Hier macht der Begriff "Fair Trade" absolut Sinn.

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