dasFilet
dasFilet
dasFilet
trenner
trenner
Suche
trenner
trenner
Karte
trenner
trenner
Archiv
trenner
trenner
Links
trenner
trenner
Sponsoren
trenner
trenner
About
trenner
trenner
trenner
trenner
trenner
trenner
"Times" Zürich: Gourmet rustikal
04.06.2012
essen
gault-millau
szenelokal
chris-trewer

Das Restaurant: Aus einer ehemaligen Autoreparturwerkstätte wurde ein Restaurant, eine schöne lange Bar, eine Küche und ein Laden. Das neue "Times" ist nicht nur ein Speiselokal sondern auch ein kleiner Laden fürs schöner Wohnen, und es liegt mitten im Kreis 5, wo das Szenevolk abends zirkuliert. Jedenfalls hat das "Times" Grossstadtflair, der "Züritipp" fühlte sich gar an New York erinnert. Bei unserem Besuch sah es so aus (Achtung, reine Spekulation!), als ob die Gäste mehrheitlich aus den Disziplinen Werbung, Kunstgalerie, Medien etc. zu stammen schienen. Leute also, die sich um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, nicht die Hände schmutzig machen müssen. Vielleicht gefällt es ihnen deshalb so gut in alten Fabriken, Werkstätten etc. Das "Times" ist schön geworden, aber auch etwas laut, wogegen auch die Schaumstoffmatten an den Unterseite der Tische nicht viel ändern.

Das Essen: Die Karte gliedert sich in zwei Teile, einige einfache Gerichte wie Wienerschnitzel sowie eine Gourmetabteilung, wo aus bis zu acht Gängen gewählt werden kann. Ich entscheide mich für fünf Gänge sowie ein Dessert, um mir einen Eindruck von der Leistung der Küche machen zu können.

Das Amouse Bouche war einfach, aber gut, crémiges Rührei in der Eierschale serviert und mit einer Kaviarnocke gekrönt. Allerdings zeigt sich daran auch ein Problem, das im Verlauf des Abends wiederkehrte: der Wille, die Extrameile noch zu gehen, scheint hier zu fehlen. Man kann so ein Ei mit einem einfachen Werkzeug (ca. Fr. 2.50 im Küchenladen) schön gerade köpfen. Oder man macht es "von Hand", dann sieht es entsprechend aus. In dieselbe Kategorie gehörte auch die Diskussion mit dem ansonsten sehr bemühten und freundlichen Kellner, der die viel zu warme Magnum-Flasche Rioja (Fr. 137.-) zuerst im Weinkühler mit Eis auf die korrekte Trinktemperatur bringen wollte. Erst als ich insistierte, ging er nochmals in den Keller, um nach einer trinkbereiten Flasche zu suchen. Er fand sie, und der Wein war ausgezeichnet.

Der getrübte Eindruck setzte sich bei der Vorspeise (Foie gras-Terrine, Brotchips, Tomatenkonfitüre) fort. Drei Leute am Tisch hatten die Foie gras, allen schien sie versalzen. Als wir dies dem Koch, der sich kurz danach erkundigte, ob alles in Odnung sei, mitteilten, stritt er zunächst ab, dass dies überhaupt möglich sei ("Das hat noch nie jemand  gesagt"). Kurze Zeit später kam er wieder an den Tisch und erklärte, es sei wohl möglich, dass durch den Speck, in welcher die Terrine eingewickelt werde, an manchen Stellen eine zu hohe Salzkonzentration entstanden sei. Chris Trewer, so heisst der Küchenchef, hat schon an vielen Orten gekocht, vor Jahren war er im "Mesa" in Zürich erhielt da 15 Gault-Millau-Punkte. Als er 2002 im "Brezza" in Ascona war, wurde er sogar als "Koch des Jahres" ausgezeichnet.

Als zweite Vorspeise gab es kurz gebratenen Thunfisch auf knackigem grünen Spargel an einer süss-scharfen Sauce, die orientalisch abgeschmeckt war. Für meinen Geschmack enthielt sie zu viel Chili. Ich bin kein Freund scharfer Gewürze, wenn man den Eigengeschmack von Produkten wie Thunfisch oder Spargel betonen will, hilft Chili, der sich wie eine Kurzzeitlähmung auf die Zunge legt, nicht.

Nach etwas Schatten gab es Licht, die folgende Spargelessenz war ausgezeichnet und fein abgeschmeckt. Der erste Hauptgang, Hummerschwanz in der Schale serviert auf Linsen mit Salami war ebenfalls sehr gut. Im "Times" scheint man eine Art rustikale Gourmetküche zu pflegen, edle Produkte, häufig gut kombiniert, aber mindestens teilweise etwas gar schlicht angerichtet. Das gilt auch für den Hauptgang, ein Rindsfilet, sauber medium gebraten, auf Spinat, dazu gab es Schupfnudeln und eine etwas zu diskrete Sauce.

Dann wurde es nochmals schattig: Der Kellner schlug mir zum Abschluss "ein Überraschungsdessert" vor, ich sagte "ja, gerne", und erhielt einen Teller, der wohl in der Patisserie vergessen gegangen war: Ein Salat aus marinierten Erdbeeren und Mango (Geschmack: in Ordnung), darauf ein Schaum (Geschmack: unbekannt), der sich langsam schon in seine molekulare Feinstruktur auflöste sowie ein Sauerrahm-Eis (Geschmack: sehr fein), das sich aber im bereits forgeschrittenen, verflüssigten Zustand befand. So etwas darf man einfach nicht mehr servieren, immerhin kostete dieser zusätzliche Gang Fr. 18.-.

Fazit: Der Bloggerkollege von The Real Picky Gourmet, der als einer der ersten über das "Times" schrieb, kam am Schluss seines Berichts zu einem durchzogenen Fazit ("The food was clumsy"). Mir ging es genaus so. Einiges war sehr gut, einiges war weniger gut und einzelne Dinge waren gar schlecht.

Atmosphäre: Wie eingangs schon erwähnt, das Lokal ist echt schön geworden, ein stiummungsvolles modernes Bistrot in einer alten Garage. Beton, Metall und die vielen Fensterflächen sorgen aber für eine schlechte Akustik, es ist laut im "Times".

Preise: Was man für ein Menü bezahlt, ist eher hochpreisig, angesichts von Produkten wie Foie gras, Hummer und Rindsfilet ginge das noch in Ordnung (Beispiele: 3 Gänge Fr. 79.-, 5 Gänge Fr. 115.-, 6 Gänge Fr. 133.-). Nicht in Ordnung geht der Preis aber, wenn die Qualität nicht durchwegs stimmt.

Restaurant:Times
Koch:Chris Trewer
Adresse:Gasometerstrasse 7, 8005 Zürich
Öffnungszeiten:Sonntags geschlossen
Kommentare:
Name:
Kommentar:
trenner
trenner