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Ricos Kunststuben: Bester Lunch Zürichs
10.05.2012
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Das Restaurant: Seit Rico Zandonella von Horst und Iris Petermann per Anfang 2012 die legendären "Kunststuben" in Küsnacht ZH als Pächter übernehmen konnte, hat es schon einige, gewinnbringende Änderungen gegeben. Die einen sind innenarchitekonischer Natur. Nachdem durch die bunt-moderne Rennovation die Kunst von den Wänden verschwunden ist, kehrt sie nun, Stück für Stück, wieder zurück. Aus Zandonellas schöner Sammlung, vor allem Schweizer Objektkünstler, haben es einige Stücke ins Restaurant und auf die neugestaltete lauschige Terasse auf der Rückseite des Hauses geschafft. Listig guckt ein Hasenmann im Rasenkleid in den Raum, ein grosser Hirsch liegt auf dem Stammtisch und Nashörner sind in der Laube übereinandergestapelt. Die tierischen, humorvollen Motiven passen zum Tessiner Spitzenkoch, der eigentlich immer fröhlich ist.

Aber nicht nur Atmosphärisches wurde angepasst, auch im feststofflichen Bereich der Küche hat sich einiges getan. Zum einen ist eine stetige Loslösung von Rezepten aus der Ära Petermann zu beobachten, Zandonella bleibt zwar bei der Basis einer klassischen Küche, kombiniert aber neu, frech und frisch. Zum anderen hat der Tessiner (18 GM-Punkte, 2 Michelinsterne) das Mittagessen überarbeitet. Dem Tages-Anzeiger war das eine Lobeshymne wert und für mich Grund genug, mich wiedermal in Ricos Garten zu setzen.

Der Lunch: Für 58 Franken bekommt man bei Rico ein dreiteiliges Amuse bouche, eine Vorspeise und einen Hauptgang, für 10 Franken mehr gibt es auch noch ein Dessert aus drei Komponenten und zum Kaffee sogar noch Friandises. Das ist ein Angebot, dass kein Feinschmecker ausschlagen kann, und man kann daher locker behaupten, dass es in und um Zürich zurzeit keinen besseren Lunch gibt.

Ich hatte statt des Amuse bouche eine Neukreation Zandonellas aus gebratenen Langustinen, Zucchini und einer Zitronen-Sabayon, das Ganze serviert in einem offenen Raviolo. Langustine und Zitrus-Aromen gehören für mich zu den besten Kombinationen überhaupt. Die süsslichen Langustinen, die ich lieber mag als etwa Hummer, bekommen durch das Braten eine herbe Note, dazu kommt die elegante Säure der Zitrone und die feinen Bitterstoffe der nur leicht gegarten Zucchini - viel besser kann man den Sommer nicht auf einem Teller servieren.

Wenn dann ein Spitzenkoch noch einen Salat macht... Zandonella füllt einen zarten Artischockenboden mit seinem typischen, mutig gewürzten Taboulé und deckelt ihn mit einer konfierten Tomatenscheibe. Der grüne Salat darum herum ist mit einer leichten Vinaigrette angemacht und mit etwas Geissfrischkäse aufgebretzelt. Auch das schmeckt ausgezeichnet und leicht - solange man das Brot, das in drei Sorten auf dem Tisch bereitliegt, nicht anrührt.

Der Hautpgang besteht aus einem gebratenen Kabeljau, der mit Saubohnen und etwas zerdrückten Kartoffeln serviert wird. Der Höhepunkt ist aber wie so oft die Sauce aus stark eingekochten, süsslichen Tomaten, denen aber kräftige Taggiasca-Oliven zur Seite gestellt werden, um eine geschmackliche Balance herzustellen. Obendrein gäbe es sogar noch Calamaretti, die ich aber abbestellt habe. Unsympathische Tiere esse ich nicht gerne, unb obowhl ich nichts gegen Calamaretti grundsätzlich habe, sind sie mir unsympathisch. Das Gericht war trotzdem gut, weil es zwar einfach ist, aber perfekt zubereitet war.

Die ganze sommerliche Herrlichkeit wurde abgeschlossen mit einer kleinen Crêpe, gefüllt mit einer Orangencrème und angerichtet auf frischen Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren, Blaubeeren und Johannisbeeren. Dazu gab es ein sehr marzipanlastiges Mandeleis, das mit seiner Mega-Süsse nur deshalb nicht störte, weil es von vielfältigen sauren Geschmäckern kontrastiert wurde.

Fazit: Es gab Zeiten, als die Spesenkonti von Bankern und anderen Spitzenverdienern von Füllhörnern gespeist wurden. In diesen Zeiten, die längst vorbei sind, traf man um die Mittagszeit in den "Kunststuben" bei Horst Petermann ein, ass sich durch ein luxuriöse Karte und trank dazu teure Weine. Zum Abschluss, der in die frühen Abendstunden zu liegen kam, gab es dann noch Cognac und Zigarren. Heute sieht man das etwas anders: Um 14 Uhr sitzt niemand mehr beim Lunch, Alkohol trinken nur Leute, die nicht arbeiten müssen, und das Essen darf leichter und auch weniger luxuriös sein. Unter diesen Voraussetzungen macht Rico Zandonella das perfekte Mittagsmahl zu einem hervorragenden Preis.

Atmosphäre: Ich empfehle bei schönem Wetter unbedingt einen Tisch im Garten zu reservieren, im Schatten des Bambusdachs sitzt man gemütlich und ruhig, was zu fast schon mediterranen Anwandlungen des Bewusstseins führt. Kurz: Es ist sehr schön da.

Restaurant:Ricos Kunststuben
Koch:Rico Zandonella
Adresse:Seestrasse 160, 8700 Küsnacht
Öffnungszeiten:Sonntags und montags geschlossen
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