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Le Chef, Zürich: Alles so schon süss
29.01.2014
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Das Restaurant: Meta Hildebrand hat eine erstaunliche Karriere gemacht, vor der man Respekt haben muss. Mit erst 30 Jahren ist sie eine ziemlich bekannte Fernsehköchin, ja mehr noch: Meta Hildebrand ist eine Marke. Dass das nicht nur gut ist, behandeln wird später. Aber mit dem „Le Chef“ mitten im Zürcher In- und Amüsierkreis 4 hat sie bereits das zweite Restaurant unter ihrer Leitung. Das Lokal gehörte davor zum Imperium des Gastro-Pioniers Fred Tschanz, dessen Andenken auch Meta Hildebrand hochhält.
 

Die Karte ist relativ übersichtlich, zur Auswahl stehen einige Gerichte zu Ehren von Fred Tschanz (aktuell Metzgete) oder „Metas Empfehlung – Chefs – Gaumentanz Surprise (für unkomplizierte Geniesser, Schlemmer und Fans)“. Was etwas blumig formuliert erscheint, ist einfach ein Überraschungsmenü, das wir an diesem Abend wählen. Wer sich übrigens dafür entscheidet, so informiert uns der Service, wird von der Chefin persönlich bedient. Meta Hildebrand, ganz ihre eigene Marke, sagt die Gerichte mit leuchtend orangefarbenen Haaren mit schwarzer Stoffblume darin und in einer lila Kochjacke an.
 

Das Essen: Als erstes bekommen wir im Glas einen Rotkrautflan mit einem feinen würzigen Schinken und einigen Sprossen. Der Flan ist für unseren Geschmack etwas gar süss und ohne besondere Würze abgeschmeckt. Aber das ist erst der Anfang...
 

Es folgt nämlich eine „süss geflämmte Riesencrevette“, wie Meta sagt. Das Fleisch des Meerestiers wird carpaccio-artig aufgeschnitten, mit Salz und Puderzucker bestreut und dann wohl mit dem Bunsenbrenner karamellisiert. Dazu gibt es wieder einen Flan, diesmal mit Safran (und zuviel Süsse), einige Blätter Feldsalat, die unmariniert sind, sowie eine Balsamico-Waldbeerenreduktion – auch diese ist naturgemäss sehr sweet. Kurz: das Gericht ist zu süss, es fehlt Säure oder vielleicht der Mut, etwas würziger abzuschmecken.


Das Reh, das wir dann als Saltimbocca, klassisch mit Salbei und Rohschinken,  serviert bekommen, wurde von Meta Hildebrands Stiefvater, dem Freund ihrer Mutter, ihr Mentor und Investor gejagt. Wir wissen das, weil Meta uns das natürlich erzählt, bevor wir herausfinden, dass das arme Reh komplett durchgebraten ist, was wir schade finden. Sehr fein ist das Tatar vom Ofengemüse dazu, es schmeckt zwar leicht süsslich auch hier, aber das passt gut zum salzigen, durch den Salbei leicht bitteren Geschmack des Fleisches. Auf der ganzen Kreation liegt eine Handvoll Kresse, die wie der Feldsalat davor, unmariniert ist.


Das nächste Gericht wird ebenfalls mit Grünzeug dekoriert, diesmal Ruccola, auch diesmal ohne dass dieser irgendwie mit einer Vinaigrette oder etwas ähnlichem behandelt worden wäre. Darunter liegt eine ideal kurzgebratene Jakobsmuschel und nochmals darunter Belugalinsen à la creme. Die Linsen haben einen schönen Biss, gehen aber geschmacklich aber durch den Rahm auch in die süsse Richtung, was zu einer Gewohnheit in diesem Menü zu werden scheint, die eine gewisse Eintönigkeit hervorruft.

Den Hauptgang bestreitet ein perfekt gebratenes Rindsfilet argentinischer Herkunft, es ist bedeckt von einer samtenen, wohlriechenden Kräutercreme und liegt auf einem Randenisotto mit Trüffel, so wurde es angesagt. Wir können den Edelpilz aber weder sehen noch schmecken, aber der violett gefärbte Risotto mit dem erdig-süssen Aroma der Rande (Rote Beete) ist fein. Das Saucenelement ist, wie könnte es anders sein, äusserst lieblich und besteht aus einer Portwein-Vanille-Reduktion. Insgesamt aber ein guter Gang mit einer schönen Aromenvielfalt.
 

Das Dessert besteht aus drei etwas zusammenhangslos wirkenden Elementen, ein Schokolademousse mit Baileys, der aber kaum herauszuschmecken ist. Daneben ein Gewürz-Panna-Cotta und zu guter Letzt ein feiner, lauwarmer Kuchen mit Waldbeeren. Eigentlich wären das Komponenten mit einer breiten Palette von Geschmäckern, die aber nicht so herausgearbeitet werden, dass etwas Interessantes daraus entsteht.
 

Fazit: Wer aus sich eine Marke macht wie Meta Hildebrand, schraubt die Erwartungen der Gäste hoch. Auch wenn es sich beim „Le Chef“ um ein grundsätzlich unkompliziertes Speiselokal handelt, wo eine frische, leichte Marktküchche gepflegt wird, hatte ich mir mehr versprochen. Das Ergebnis war dann leicht enttäuschend, auch wenn es kein schlechtes Essen war. Aber der letzte Schliff, die liebevolle Detailpflege an einem Gericht fehlte bei den meisten Kreationen. Und mir war es insgesamt schlicht zu süss.
 

Atmosphäre: Das „Le Chef“ ist ein ausgesprochen angenehmes Lokal mit einer guten Mischung aus gutem Stil, etwas Luxus und Gemütlichkeit. Der Service unter der Leitung von Uwe Röhrig ist jung, frech und unterhaltsam, die Stimmung im Restaurant wirkt angenehm locker. Eine gute Nachricht für Raucher ist, dass es für sie einige Plätze im Fumoir gibt. Man blickt von aussen hinein und scheint einem äusserst geschichtsträchtigen Ritual zuzusehen, obwohl es ja nur ein paar Jahre her ist, seit man selbstverständlich bei Tisch noch geraucht hat.
 

Preise: Das Surprise-Menü ist mit Fr. 81.– bis 115.– (3 bis 5 Gänge) relativ fair für das Zentrum Zürichs. A la carte kostet mit 13.50 bis 78.– dann deutlich mehr. Und die Weine werden ungefähr mit Faktor drei gegenüber dem Ladenpreis berechnet. 

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