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Drei Stuben, Zürich: Junge Bürgerlichkeit
06.09.2012
burgerliche-kuche
beiz
gartenrestaurant
szenelokal

Das Restaurant: Das "Drei Stuben" in Zürich Unterstrass bezeichnet sich selbst als "Quartier-Beiz", was schon grundsätzlich sympathisch ist. Weil aber junge Gastronomen das Lokal übernommen haben, hat das wunderschöne alte Haus auch "Street Credibility" oder anders gesagt, auch junge Leute, die man in Zürich zur Szene zählt, verkehren hier. Bei meinem Besuch war eine der Stuben von einer Geburtstagsgesellschaft belegt, deren Mitglieder praktisch ausnahmslos grossflächig tättowiert waren, bei bester Laune feierten und nach jedem Gang den Weg nach draussen antraten, um zu rauchen.

Das Essen: Die Karte ist geprägt von bürgerlichen Klassikern wie Zürcher Geschnetzeltes (mit und ohne Nierli!), Cordon Bleu oder Hackbraten. Das Menü hingegen ist durchaus modern und klingt interressant, leider war es mir aus gesellschaftlichen Gründen nicht möglich, davon zu probieren: Auberignenkaviar mit Peperoni, pochierten Wachtelei und Belperknolle, Thunfischwürfel mit Vanille, Gemüsepapaya-Salat und Mango-Chili-Sorbet oder eine geschmorte Kalbshaxe an Rieslingjus, mit Briekugeln und einem Kirschen-Chutney war angekündigt.

Ich blieb bei den Klassikern; es kam zunächst eine Tomaten-Gazpacho, schön und stilecht angerichtet mit hausgemachtem Grissini und Rohschinken vom Typ "Pata Negra", fein gewürzt, aber für meinen Geschmack einen Tick zu cremig. Das ist aber eine persönliche Detailkritik, die Vorspeise war gut. Der Hauptgang war sogar grossartig, die Küche serviert das Cordon Bleu vom Kalb knusprig ausgebacken, zum Würfel gefaltet und nimmt für die Füllung nicht gewöhnlichen Kochschinken und Emmentaler oder Gruyere sondern Taleggio und Parmaschinken. Dazu gibt es Bratkartoffeln, etwas Gemüse und einen wunderbaren Kalbsjus. Daran gibt es nun wirklich nichts auszusetzen.

Zum Abschluss entschied ich mich für ein "zart schmelzendes Schoggichüechli", das allerdings im Förmchen serviert war, was ich für diesen Klassiker der Süssspeisen nicht die ideale Darreichungsform halte. Für den Patissier macht es die Sache wohl  einfacher, aber das kann nicht das Kritierium sein. Dazu gab es caramelisierte Bananen und ein feines Kokoseis. Etwas Säure allerdings hätte dem Dessert gut getan, um die relative sensorische Gleichförmigkeit zu durchbrechen. Das Küchlein war süss-cremig mit leichter Schokoladen-Bitternote, das Eis war süss-cremig und die Bananen ebenfalls. Da hätte es einen Kontrapunkt gebraucht. Und der letzte Kritikpunkt: Physialis, diese kleinen, runden, orangen Früchtchen mit den dörren Blätter kann man zu Hause vielleicht noch Gästen als Dekoration auftischen, nicht aber in einem Restaurant. Dort zeugt es von Fantasielosigkeit oder - noch schlimmer - von Faulheit.

Fazit: Die machen das gut in den "Drei Stuben". Sanft werden Klassiker der bürgerlichen Beizenküche modernisiert oder aufgefrischt, beim Menü geht man - soweit die Karte eine Beurteilung zulässt - neue Wege und was auf den Tisch kommt, ist gut bis ausgezeichnet.

Atmosphäre: Die gemütliche Stimmung, die das Haus aus dem 18. Jahrhundert hergibt, wird sorgfältig gepflegt. Dass viele Junge Leute dort essen, ist gut fürs Auge und fürs Ambiente.

Preise: Das Menü (5 Gänge für Fr. 84.-, ohne Wein) ist schon fast ein Preisknaller. Die A-la-carte-Gerichte liegen im zürcherischen Durchschnitt: 15.50 für die Gazpacho, Fr. 48.- für das Cordon bleu und 14.50 für das Dessert geht in Ordnung.

Nachtrag: Wie mich der Chef der "Drei Stuben", Marco Pero, informiert, heisst der Küchenchef seines Hauses Michael Bollinger. Der Mann ist erst 24, aber angesichts dieses jugendlichen Alters für einen Koch, ist das, was er ins Restaurant schickt, eine reife Leistung.

Restaurant:Drei Stuben
Koch:Michael Bollinger
Adresse:Beckenhofstrasse 5, 8006 Zürich
Öffnungszeiten:Sonntags geschlossen
Kommentare:
Ralph
"leider war es mir aus gesellschaftlichen Gründen nicht möglich, davon zu probieren" So ist das auch richtig!
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Kommentar:
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