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Colette, München: Das letzte Mahl
05.01.2018
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Das Restaurant: Das Glockenbachviertel in der bayrischen Landeshauptstadt München ist gemäss Insidern so eine Art Prenzlauer Berg des Südens, ein besonders schönes, lebenswertes Quartier in einer ohnehin schönen Stadt. Hier lebt man angenehm, ruhig, das Naherholungsgebiet an der Isar ist nur ein paar Schritte entfernt, und die Gastronomie ist – soweit ich das beurteilen kann – zeitgemäss und interessant. Als Beispiel soll die «Brasserie Colette» dienen, die Tim Raue 2015 hier eröffnet hat, und von der es in Berlin und Konstanz Filialen gibt.

Die «Colettes» sind Teil des Angebots der edlen Altersresidenzen «Tertianum» – aber trotzdem völlig eigenständig. Raue erfüllt sich mit seinen französischen Bistro einen Traum. Und es ist ein Beleg für meine These, dass man herausragende Spitzenköche daran erkennt, dass sie in der Lage sind, mit dem Wissen um die Haute Cusine eine einfache Küche zu generieren, die dennoch aussergewönnlich gut schmeckt. Weltbekannte Beispiele dafür sind Alain Ducasse oder Daniel Humm, der gerade sein «NoMad» von New York nach LA, Las Vegas und vermutlich London exportiert.

Und schliesslich ist das «Colette» ein Traum von einem Bistro, schön eingerichtet; eine gute Mischung aus schlichter, ausgesuchter Eleganz und punktueller Bodenständigkeit: Servietten und Tellerunterlage sind auf Papier, das Besteck nimmt man sich aus gebrauchten Blechdosen selbst.


Das Essen: Die Menükarte deckt ziemlich viel ab, vom sehr attraktiven Lunchmenü (3 Gänge für €26.–), über die Austernauswahl bis zu einer grossen A-la-Carte-Auswahl mit Klassikern wie Zwiebelsuppe, Steak et Frites oder Zitronentarte.

Und ich starte mein letztes Mahl im alten Jahr mit einem solchen Klassiker der Brasserieküche: Eine Zwiebelsuppe, die dunkel und geheimnisvoll daherkommt. Es ist zweifelsfrei eine der besten Zwiebelsuppen, die ich je gegessen habe: dicht und konzentriert, leicht süss und mit einer fein dosierten Schärfe versehen – ein typischer Raue, könnte man sagen. Und Raue wäre nicht Raue, wenn er diesem schlichten Gericht, nicht eine sehr persönliche Note geben würde. Statt Hühner- oder Rinderbrühe wird die Suppe auf der Basis eines Entenfonds angesetzt und mit Soja- und Fischsauce gewürzt. Ein Teller voller Umami, herzhaft und hervorragend. Lediglich der mit Käse überbackene Briochetoast an der Seite hat noch Potenzial, weder ist das Brot richtig knusprig, noch der Käse ganz überzeugend.

Zum Hummercocktail notiere ich «genial», die ausgelösten Stücke vom Hummerfleisch sind ausgesprochen zart, die Saffran-Krustentiermayonnaise ist geschmackvoll und die Zitrusgeleewürfel geben dem ganzen eine fruchtige, säuerliche Süsse. Die notwendige Schärfe kommt von etwas Chili oder Cayennepfeffer – ein leichtes, aber geschmacklich breites Gericht.

Ich habe mir einiges vorgenommen und bestellte deshalb noch einen Salade Nicoise bestellt, und auch diesen Klassiker entwickelt Tim Raue mit seinem Küchenchef vor Ort, Maurizio Demuro, weiter. Der Tunfisch kommt als grosses, in Olivenöl a point gebratenes, saftiges Steak auf den Teller und wird auf zwei Seiten garniert mit einer Artischockencreme und Bohnen sowie etwas Salat und Ei. Das gibt ein frisches mediterranes Gericht mit leichter Süsse, etwas Bitternoten und Säure.

Mein Hauptgang besteht aus im Blätterteig gebackenem Hühnerfleisch (vom Schenkel), Feldsalat, eingelegten Rosinen sowie einer leichten Trüffeljus. Das Fleisch ist hervorragend, der Blätterteig goldbraun, knusprig und buttrig. Ein Gag, den ich nicht ganz verstehe, sind die in Red Bull eingelegten Rosinen: Die daraus entstehende Süsse scheint mir zu plakativ. Und dass der Feldsalat mit Trüffelöl mariniert ist, halte ich ebenfalls für fragwürdig. Trüffelöl steht auf meinem ganz persönlichen Lebensmittelindex der verbotenen Speisen. 

Es ist der 31.12.2017, um 13.40 Uhr, und ich beende das Jahr mit einem klassischen Dessert, das ich täglich essen würde, wenn es nicht diese für die Figur so verhängnisvolle Zutatenliste aus Butter, Eiern und Zucker aufweisen würde. Die Tarte au Citron ist handwerklich tadellos: Auf einem Biskuitboden liegen die gelb leuchtenden Punkte aus Zitronencreme und darauf eine knusprige Schaumkrone aus gebackenem Eischnee sowie darum herum eine Salzkaramellsauce. Das ist süss und herrlich und mein letztes Dessert in diesem Jahr.


Fazit: Raues «Colette» ist eine wunderbare Anlaufstelle für gute, einfache Küche. Die Zwiebelsuppe gehört zu meinen persönlichen Highlights 2017, und alles was ich sonst gegessen habe, war gut bis bemerkenswert gut. Es bleibt dabei: Sehr gute Köche sind jene, denen es gelingt, unkomplizierten Gerichten eine persönliche, geschmackvolle Note zu geben.

Atmosphäre: Die gelungene Inneneinrichtung, die spannungsreiche Mischung aus edlen Kristall-Wassergläsern, mundgeblasenen Weingläsern und Marmortischen mit Papierauflagen macht das «Colette» auf angenehme Weise anziehend. Der Service unter der Leitung von Wilhelm Ketteler ist angenehm, aufmerksam und gut informiert. 

Preis: Mittagsmenü 3 Gänge € 26.–, 2 Gänge € 20.–; à la Carte 10.– bis 32.–.

Bewertungen: Michelin Bib Gourmand, 14 GM-Punkte

Restaurant:Colette
Koch:Tim Raue
Maurizio Demuro (Küchenchef)
Wilhelm Ketteler (Restaurantleiter)
Adresse:Klenzestrasse 72
80469 München
Tel. +49 89 230 02 555
Öffnungszeiten:Montags und dienstags geschlossen
Kommentare:
lieberlecker
Diese These von Dir unterschreibe ich blind ;-) Aber wenn das Dein Lunch war, will ich dass Dinner wahrscheinlich gar nicht sehen (dessen Dessert offenbar erst im neuen Jahr serviert wurde!). Liebe Grüsse, Andy
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